Nähtechnik

Chaos

Der nachfolgende Text ist meine persönliche Meinung, die ich mir in über 30 Jahren als Nähmaschinen-Mechaniker gebildet habe.

Text von Rüdiger Schwaak

Das wichtigste Bauteil einer Nähmaschine ist der Greifer. Dieses Teil heißt vermutlich so, weil er beim nähen den Faden greift. Der Greifer ist für das eigentliche nähen, nämlich die Stichbildung zuständig. Er verknotet den Oberfaden mit dem Unterfaden.
Die "normale" Nähmaschine erzeugt einen Doppel-Stepp-Stich, bei jedem Stich werden der Ober- und Unterfaden einmal umeinander verdreht, man nennt es auch Verknotung. Overlock- und Coverlockmaschinen nähen einen Kettenstich, deshalb haben die keinen Unterfaden.
Es gibt bei normalen Nähmaschinen vier verschiedene Greifersysteme, die leicht abgewandelt in jeder Nähmaschine stecken. Der Greifer ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal einer Nähmaschine.
Folgende Greifersysteme sind heute gebräuchlich:

CB - Greifer

Die Bezeichnung CB-Greifer ist eine Abkürzung aus dem englischen, hier heißt er Central Bobbin Hook, in deutsch Zentral-Spulen-Greifer. Im Gegensatz zu den uralten Schiffchen-Greifern, sitzt hier die Spule erstmals im Zentrum des Greifers, daher die Bezeichnung.
Der CB-Greifer ist an seiner halbkreisförmigen Bewegung erkennbar, er schwingt hin und her. Dies ist ein eindeutiges Merkmal.
Der CB-Greifer wird seit etwa 1920 in Haushaltnähmaschinen verwendet. Diese Maschinen konnten nur Geradstich nähen, der CB-Greifer war dafür gut geeignet.
Bei den heutigen ZickZack-Nähmaschinen ist der CB-Greifer nicht mehr die erste Wahl.

das Merkmal eines CB-Greifers ist seine schwingende Bewegung

Vorteile des CB-Greifers

geringe Herstellungskosten,
bestes Stichbild, da er den Faden beim nähen nicht verdreht,
arbeitet gut mit dicken Fäden,
leicht zu säubern, da schnell auseinander zu bauen

Die Nähqualität dieses Greifersystems ist sehr stark von der Konstruktionsgenauigkeit der Maschine abhängig. Bernina schafft es durch eine exzellente Maschinenkonstruktion alle Nachteile des CB-Greifers zu beseitigen. Sowas kostet dann ab etwa 1000,-€ aufwärts.
Leider findet man den CB-Greifer jedoch in allen Billignähmaschinen. Alle Nähmaschinen bis etwa 200,-€ haben grundsätzlich diese Technik. Da aber in dieser Preislage keine hochwertige Mechanik zu bauen ist, zeigt der Greifer sich in diesen Maschinen von seiner schlechtesten Seite.

Nachteile des CB-Greifers

Nadelbrechen bei unebenen Stoffen, Jeans, Quernähte,
verheddern des Fadens am Nahtanfang,
Fehlstiche und "fressen" des Stoffes bei elastischen dünnen Stoffen,
Spezialnadeln für Jeans und Stretch erforderlich, sonst geht garnichts,
verklemmen des Greifers leicht möglich,
unruhiger und lauter Lauf der Maschine,
nicht für professionellen Dauereinsatz geeignet,
höchste Stichbreite 5,5mm

doppelt umlaufender Greifer

der doppelt umlaufende Greifer (DUG) ist in etwa genau so alt wie der CB-Greifer. Er hat seinen Namen einfach von dem Umstand, dass er zwei Umdrehungen pro Stich macht, im Gegensatz zu den schwingenden Bewegungen der anderen damals verfügbaren Greifersysteme.
Manche Zeitgenossen sprechen von vertikalem doppelt umlaufenden Greifer, was ich als überflüssig empfinde, da jeder Nähmaschinenmechaniker genau weiss worum es sich handelt wenn jemand vom DUG spricht.........Es kann nur einen geben !
Der DUG ist vollständig aus Metall, ein Hersteller hat versucht das Mittelteil des Greifers aus Kunststoff zu bauen, das hat sich jedoch nicht bewährt. Der DUG sitzt in jeder Doppelsteppstich Industrie-Nähmaschine. In Haushaltnähmaschinen findet man ihn nur noch in wenigen Baureihen, da er zu teuer ist.

doppelt umlaufender Greifer, hier mit spezieller Beschichtung des Mittelteils, wie er in der Gritzner 1037, 6122 und 6152 eingebaut ist,
Sie sehen wie bei jeder zweiten Umdrehung der Stich gebildet wird
Vorteile des doppelt umlaufenden Greifers

sehr robust, lange Lebensdauer,
in Haushaltnähmaschinen nahezu verschleißfrei,
sehr gut justierbar, da die Greiferspitze spielfrei am Getriebe hängt,
näht sehr gut verschiedenste Materialien,
für professionellen Dauereinsatz sehr gut geeignet,
kann bis zu 12mm Stichbreite verarbeiten,

Der doppelt umlaufende Greifer ist der teuerste, aber auch robustete Greifer, der in Nähmaschinen verwendet wird. Jede Industrienähmaschine näht mit dieser Technik. Bis etwa 1990 baute jeder Hersteller von Haushaltnähmaschinen diesen Greifer bei den besseren Serien ein. Heute findet man ihn leider nur noch in wenigen Haushaltmaschinen. Ich vermute mal aus Kostengründen. Ein neuer Greifer dieses Typs ist nicht unter 100,-€ zu haben, dafür geht er auch nicht kaputt, jedoch ist das bei der Herstellung einer Haushaltmaschine schon ein Batzen Geld.
Die günstigste Maschine mit einem DUG ist die Gritzner 1035 für 385,-€.

Nachteile des doppelt umlaufenden Greifers

muss geölt werden,
verdreht den Faden bei der Stichbildung, daher etwas "unruhigeres" Stichbild,
kann nur von einem Mechaniker zerlegt werden,
näht ungerne dicke Fäden, nur bei Bernina geht das auch,
teuerster Greifer in der Herstellung

Horizontal-Greifer

Der Horizontal-Greifer ist die "moderne" Nähtechnik. Es ist auch ein doppelt umlaufender Greifer, allerdings technisch sehr abgespeckt. Dieser Greifer wird in der Werbung gerne als horizontaler doppelt umlaufender Greifer bezeichnet, was im Prinzip richtig ist, allerdings habe ich den Verdacht man möchte vom guten Ruf des echten DUG profitieren. Vor etlichen Jahren gab es Horizontalgreifer, die alle Qualtiätsmerkmale des echten DUG hatten. Der heutige kann es allerdings nicht mehr damit aufnehmen. Das Greifermittelteil ist heute grundsätzlich aus Kunststoff. In der Industrie wird er in Ganzmetallausführung für schwere Ledermaschinen verwendet.

Vorteile des Horizontalgreifers

einfache Bedienung,
keine Spulenkapsel nötig,
darf nicht geölt werden,
preiswerte Herstellung,
kann vom Näher mit mittelgroßem Aufwand gereinigt werden,
relativ wenig Fadenspannung nötig,
läuft sehr leise

Nachteile des Horizontalgreifers

das Mittelteil ist immer aus Kunststoff,
nicht verschleißfrei, begrenzte Lebensdauer,
er näht nicht gut mit "Billig-Garnen"
nicht für professionellen Dauereinsatz geeignet,

und dann gibt es noch den Bernina B9-Greifer, den finden Sie hier

der Horizontalgreifer mit Mittelteil aus Kunststoff

Der Horizontalgreifer wird heute von fast allen Herstellern in den höherpreisigen Maschinen eingebaut. Fast alles oberhalb etwa 200,-€ hat heute diesen Greifer. Er ist relativ preiswert zu bauen, leicht zu verkaufen und hält nicht ein Leben lang.





























































und dann gibt es noch den Bernina B9-Greifer...ganz was feines....den finden Sie hier

Chaos

Nähmaschinen Schwaak+Bangert - Schulstr. 12 - 58332 Schwelm - Tel. 02336/17193 - der.Naehkasten@gmail.com